TONSPUR 32
Wer unsere Reihe mit Klangarbeiten in der TONSPUR_passage im quartier21/MQ aufmerksam verfolgt, wird bemerken, daß es von der TONSPUR 29 von Christina Kubisch zur aktuellen TONSPUR 32 von William Engelen einen Zahlensprung gibt. Die Erklärung dafür ist, daß TONSPUR seit Juli 09 einen zweiten Spielort besitzt, und zwar in Berlin. Dort entstanden für nicht irgendeinen Ort – es ist der Schloßplatz in Berlin/Mitte –, die Arbeiten Nummer 30 von Via Lewandowsky und 31 von Suk-Jun Kim [bis 30.01.10]. „Wir würden uns freuen, wenn Sie unsere neue Spielstätte bei einem Berlin-Aufenthalt besuchen würden.
Den genauen Standort sowie Hinweise zum Programm von TONSPUR
IN BERLIN, finden Sie auf unserer neugestalteten Webseite berlin.tonspur.at.“
Von der TONSPUR 31 in Berlin zur TONSPUR 32 in Wien läßt sich inhaltlich eine schöne Brücke schlagen, haben doch der Koreaner
Suk-Jun Kim und der in Berlin lebende Niederländer William Engelen jeweils mit einer Vielzahl von Menschen gesprochen, um Material für ihr Stück zu erhalten. Kim bat als Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD Freunde und Bekannte, ein Lied aus Ihrer Kindheit für Ihn zu summen. Aus den Aufnahmen entstand „In Tune, Out of Tune“, das bei Erklingen dem vom Palast der Republik befreiten Schloßplatz eine
Intimität verleiht, die von großem Reiz ist.
William Engelen (*1964 in Weert) hat die Zeit als quartier21-Artist-in-Residence in Wien dafür verwand, Geschichten zum Thema Klavierunterricht zu sammeln. (Nicht) ganz nebenbei entstand auch
noch eine neue Komposition für Bratsche solo, „Verstrijken in Wien“.
Die Uraufführung durch den Solisten Dimitrios Polisoidis [Klangforum Wien], im Rahmen der Vienna Art Week 2009, war von großer
Faszination und eröffnete gleichzeitig die neue Spielzeit von TONSPUR für einen öffentlichen raum. „Meine Klavierlehrerin Fräulein Grosch“ wiederum beschließt das TONSPUR-Jahr 6 mehr als würdig. Ein exzeptionelles Werk eines großartigen und wahrlich grenzüberschreitend arbeitenden bildenden Künstlers, welches die Privatheit des Erlernens des Klavierspiels sowie Licht- und Schattenseiten einer oftmals mythisch verklärten (Wiener) Musiktradition, anhand sehr persönlicher Erzählungen
öffentlich macht.
Georg Weckwerth, November 2009
