TONSPUR für einen öffentlichen raum
Klangarbeiten im MuseumsQuartier Wien
Ein Projekt von Georg Weckwerth und Peter Szely


TONSPUR 67
Maurice de Martin [D]*
Morgenarbeit – Eine Hippodromophonie, 2015
8-Kanal Klangkomposition, 7-teilige Bildstrecke
Dauer 32:28 min
Konzept, Feldaufnahmen, Komposition: Maurice de Martin
Gespräche mit Elisabeth Gürtler, Wolfgang Eder,
Andreas Hausberger, Christian Bachinger, Marcus Nowotny,
Florian Zimmermann, Hannah Zeitlhofer, Johannes Hamminger,
Theresa Stefan, Bianca Wittmann, Alexander Welle, Gerrit Korthals,
Wolfgang Eberhart, Hermann Illk, Jaqueline Riegler
Produktion TONSPUR Kunstverein Wien für die Reihe
TONSPUR für einen öffentlichen raum
In Kooperation mit Spanische Hofreitschule Wien,
Lipizzanergestüt Piber, Trainingszentrum Heldenberg
Persönlicher Dank an Hannah Schwegler, Karin Nakhai
Besonderer Dank an die wunderbaren Lipizzanerpferde
*60. TONSPUR-Artist-in-Residence





30.11.15–27.02.16
Q21 (im MuseumsQuartier Wien)
TONSPUR_passage [zwischen MQ Hof 7 + 8]
Täglich 10–20h
Eröffnung: So 29.11.2015, 17h
Einleitende Worte:
Georg Weckwerth [Künstlerischer Leiter TONSPUR Kunstverein Wien]






MORGENARBEIT – EINE HIPPODROMOPHONIE
Liebe Lauscher*innen, wussten Sie, dass das MuseumsQuartier einmal eine einzige riesige Pferdestallung war? Hier haben die Kaiser*innen für knapp zwei Jahrhunderte ihre edlen Pferde geparkt. Heute erinnern daran nur noch die steinernen Pferdeköpfe über den barocken Passagen. Als Klangkünstler, der mit historischen Bezügen arbeitet, habe ich mir überlegt – auch angeregt durch das 450. Jubiläum der Spanischen Hofreitschule Wien –, die ehemals kaiserlichen Pferde eine Weile wieder Quartier im MQ nehmen zu lassen. Hierfür bin ich über einige Wochen hinweg recht früh aufgestanden und habe mich bei Sonnenaufgang in die Pferdestallungen begeben, um den Tieren, wenn sie besonders aktiv sind, möglichst nahe zu sein. Zugleich wollte ich den Menschen, die sich tagtäglich mit großer Hingabe um ihre Schützlinge kümmern, bei ihrer Tätigkeit am und für das Pferd begegnen. Anschließend ging es zur „Morgenarbeit“ – so wird die tagtägliche Trainingseinheit des „weißen Balletts“ der berühmten Lipizzanerhengste in der Winterreitschule der Hofburg genannt. Sie zeigt eine Dressurtradition, die weltweit ihresgleichen sucht. Kaum jemand ahnt, wieviel Energie und Protokoll hinter dieser kunstvollen Interaktion zwischen Mensch und Tier steckt.
Es wurde mir gestattet, einen Blick hinter die traditionsreiche Kulisse zu werfen. Und so machte ich mich auf in die Hofburg, zum Gestüt Piber und zur Ausbildungsstätte der Lipizzaner am Heldenberg. Ich war in den Stallungen und in der Koppel, auf der Weide und auf den Trainingsplätzen so nahe wie möglich mit von der Partie und habe dabei die technischen Erweiterungen meiner Ohren durch sensible Ohrstöpselmikrofone gespitzt. Parallel habe ich zahlreiche Mitarbeiter*innen der Spanischen Hofreitschule interviewt, die als Experten über das Verhältnis zwischen Mensch und Tier detailliert und oftmals sehr persönlich Zeugnis abgelegt haben.
Aus dem reichen Fundus meiner Recherche entstand die nun zu hörende Achtkanal-Klangkomposition. Wandeln Sie durch den Raum, halten Sie kurz inne und schließen Sie für einen Moment Ihre Augen: Vielleicht fühlen Sie sich kurzerhand um zwei bis drei Jahrhunderte zurückversetzt. In ebenjene Zeit, in der Hunderte Pferde das heutige Areal des MQ beherrschten – visuell, und vor allem akustisch.
– Ihr Maurice de Martin


BIOGRAPHIE
Maurice de Martin, geboren 1969 in Bad Aibling, Deutschland, lebt und arbeitet in Berlin.
mauricedemartin.de











Bundeskanzleramt Kunst


TONSPUR 67 PASSAGENGALERIE
Gestaltet von Maurice de Martin –